Alex Gernandt

Alex Gernandt, Baujahr 1965, steht auf harte Musik seit er denken kann. Los geht’s bereits – Mama sei Dank – im Laufstall mit King Elvis und “Jailhouse Rock“. In der Jugend kommt das Übliche aus der Glotze dazu: Wenn Sweet, Slade, Suzi Quatro oder Status Quo in der “ZDF Disco“ oder “Musikladen“ rocken, geht bei ihm der Puls hoch. Die künftige “Marschrichtung“ ist klar, kurze Zeit später entdeckt er den Hardrock: AC/DC, KISS, Deep Purple, Led Zeppelin, UFO, Aerosmith, Whitesnake, Rainbow und Black Sabbath. Die Klassiker halt! Doch immer härterer Stoff muss her. Haupt-Infoquelle damals: oh ja, Bravo! “Metal-Fachpresse“ gibt es noch nicht. Eine Offenbarung ist der erste Bravo-Bericht über eine unbekannte neue Band einer “neuen Welle“ (NWOBHM) aus England: IRON MAIDEN! Sofort “rennt er wild“ zum Plattenladen. Sternstunde! Folglich ist im Herbst 1980 KISS mit Vorgruppe IRON MAIDEN (Paul DiAnno!) das erste Konzert, das er je besuchte und nie vergessen wird.
Die zweite Offenbarung im Mai 1981. Am Kiosk der Bushaltestelle entdeckt er ein Magazin mit einem alles versprechenden Titel: HEAVY METAL SPECIAL. Eine Zeitschrift nur über Heavy Metal. Unglaublich! Auf dem Cover: Rob Halford von JUDAS PRIEST in voller Montur. Das Magazin wird seine Bibel. Und ein dringender Berufswunsch entsteht: Journalist. Heavy-Metal-Journalist! Irgendwas mit Metal und Medien, würde man heute wohl sagen…
Im September 1982 ein erster Versuch: Neuntklässler Alex erstellt eine Liste mit allen ihm bekannten HM-Bands von A-Z und deren LPs, damals immerhin 202 Gruppen. Dazu malt er “kunstvoll“ (haha) Bandlogos aufs “Cover“. ACID. RIOT. RAVEN. VENOM. MYTHRA. TANK. TYGERS OF PAN TANG. Die Liste verschickt er gegen Rückporto an Interessierte, es ist seine erste eigene “Publikation“, der Zuspruch immens. Durch den Vertrieb entstehen Brieffreundschaften zu Szene-Insidern – bis nach Dortmund (Uwe, Holger, Götz), Holland, in die Schweiz (Tom Gabriel Warrior, damals Hellhammer!), nach Kanada (Wayne Archibald) und die USA zu Ron Quintana vom Fanzine Metal Mania, Brian Lew (Whiplash), Bob Muldowney (Kick Ass. RIP) oder John Strednansky (Metal Rendezvous). Die meisten Freundschaften existieren bis heute. METAL verbindet! Brian Lew ist es übrigens, der Alex Ende 1982 das unglaubliche Metallica-Demo “No Life till Leather“ zusendet. Schon wieder so eine Offenbarung!
Die Folge: Im Sommer 1983 gründet Gernandt mit Kumpel Frank Meinel bei Mannheim ein eigenes Fanzine: SHOCK POWER! Der Titel kommt von einem Song der local heroes TRANCE. Das Amateur-Zine ist zunächst nur schwarzweißkopiert, mit geklauten Fotos – und handgemalten Logos. Das hatte er ja schon geübt. Berichtet wird – genau wie bei der “Konkurrenz“ ROCK HARD – über brandneue Bands wie Metallica, Slayer, Exodus, Mercyful Fate, Queensryche, Savatage, Cirith Ungol, Hellhammer, Sodom, VoiVod, Exciter. Es ist Blütezeit der NWOBHM und die Geburtsstunde des THRASH. Die Fanzine-Pioniere und Tapetrader des HM-Underground erleben diese “goldene Zeit“ live mit und sind in gewisser Weise auch “Geburtshelfer“, was etwa Metallica später in Interviews bestätigen. Nach Gastspielen bei ROCKPOWER, METAL RENDEZVOUS in den USA, CRASH und METAL HAMMER landet Alex bei dem Blatt, bei dem für ihn musiktechnisch alles losging: BRAVO. Damals noch mit sechs Millionen Lesern – pro Woche! Es ist dort so spannend und abwechslungsreich, dass er ein Vierteljahrhundert bleibt und erst 2013 als Chefredakteur von Bord geht. Dem Hardrock und Heavy Metal bleibt Alex stets verbunden. Heute betreibt er die Facebookseite SHOCK POWER RISING und nimmt als Entertainment-Experte bei TV-Sendern wie ARD, ZDF, RTL oder VOX Stellung zu aktuellen Musik-Themen. Am liebsten aber interviewt er noch immer Rockhelden wie Jimmy Page, Ritchie Blackmore, Eric Burdon oder Slash u.a. für SPIEGEL ONLINE – und jetzt auch für THE BLOG OF ROCK!!